
Die Haut, die ich wohne
Performance at Willy Brant Haus
2024


In meiner künstlerischen Arbeit verhandle ich meine eigene Verletzlichkeit. Oft stelle ich mir vor, dass mein Körper ohne Haut existiert – als das Andere, als das Fremde, als Frau: nicht bloß nackt, sondern als eine Existenz jenseits jener Haut, in der ich lebe.
Vielleicht suche ich jedoch das genaue Gegenteil. Ich imaginiere, wie mein Bewusstsein die Haut abstreift, sich vom physischen Körper löst und frei schwebt. In diesem Prozess werde ich frei wie ein Schmetterling, während die Haut nur noch als hauchdünne, transparente Membran zurückbleibt.
Mein Körper ist zutiefst intim und individuell, zugleich aber unausweichlich in ein gesellschaftliches Gefüge eingewoben. In Yoko Onos Arbeit Cut Piece beispielsweise wurden Sexismus und Begehren verhandelt, indem das Publikum direkt in die gesellschaftliche Dynamik einbezogen wurde. Mich interessiert, wie sehr wir uns über eine Generation hinweg verändert haben – oder ob wir dieselben geblieben sind.
Der Akt, Fragmente miteinander zu verbinden, anstatt sie zu zerschneiden, steht für Heilung, Trost und Solidarität. Diese Begriffe wirken heute oft abgenutzt, fast klischeehaft oder naiv. Vielleicht sind es gerade diese brüchig gewordenen Hoffnungen, die ich sichtbar machen möchte.
Als Materialien habe ich Hanji und Latex gewählt. Hanji wird traditionell aus den Naturfasern des Papiermaulbeerbaums (Dak) gewonnen und besitzt eine spürbar lebendige, atmende Textur. In Verbindung mit Latex – einem elastischen, hautnahen Material – entsteht eine flexible, durchscheinende und schalenartige Membran, die sich präzise an den Körper anpasst.
Ablauf: Mit roter Farbe zeichne ich Rasterfelder auf meinen Körper und nummeriere sie. Anschließend trage ich Hanji-Stücke und Latex auf meine Haut auf. Auch das Publikum ist eingeladen, sich daran zu beteiligen und die Materialien auf meinen Körper aufzubringen. Die Performance beginnt unvermittelt; um mich herum breiten sich die Fragmente aus, während sich die Handlung in einer gedehnten Zeitspanne vollzieht. Sobald die Schicht getrocknet ist, streife ich sie wie ein Gewand ab. Zurück bleibt im Willy-Brandt-Haus eine skulpturale Form – wie eine abgelegte, zweite Haut.
Performance at Kleist Museum
2023



Die zweite Haut
Performance at Kleist Museum
2022




